Die evangelische Kirche in Breitenheim ist in ihrer Gesamtschau einzigartig in der Region. Erhöht im südlichen alten Dorfkern gelegen, spannt das Gotteshaus architektonisch wie historisch den Bogen von der Römerzeit bis in die Gegenwart.
Der Außenbereich: Vom Römerstein zum Einheitsbaum
Der Weg zur Kirche führt durch ein steinernes Portal mit der Inschrift aus Psalm 100 („Jauchzet dem Herrn alle Welt und dienet dem Herrn mit Freuden“).
- Der Zwiebelturm: Er prägt die Silhouette des Dorfes und beherbergt zwei Glocken – eine kleine aus dem Jahr 1898 (Kaiserslautern) und eine große von 1958 (Karlsruhe).
- Römische Spuren: In die Nordmauer aus Bruchsandstein sind antike Reliefs eingemauert. Sie zeigen zwei trauernde Jünglinge aus dem Attiskult (Symbol für die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod) sowie das Bruststück einer Tänzerin mit Klangbecken. An der Westwand ist Zudem ein antiker Löwenkopf zu entdecken.
- Kirchgarten: Vor dem Südausgang lädt eine kleine Rasenfläche mit einem gepflanzten „Einheitsbaum“ zum Verweilen ein – ein beliebter Ort für Gemeindeveranstaltungen wie „Wein und Gesang“.
Das Kirchenschiff & Die Moderne (1911/12)
Das heutige Langhaus wurde 1911/12 unter der Leitung von Kreisbaukirchmeister Damm an den spätgotischen Chor angebaut, da der schlichte Vorgängerbau völlig baufällig geworden war.
- Altes Uhrwerk: Im Eingangsbereich ist das historische mechanische Uhrwerk ausgestellt, das früher von Hand aufgezogen und gepflegt werden musste.
- Besonderer Bodenbelag (1999): Bei der Sanierung der schadhaften Bodenfliesen schuf die Keramik-Fachschule Höhr-Grenzhausen ein kunstvolles zweifarbiges Ornament. Im Zentrum liegt eine dunkle Fliese mit einem stilisierten Fisch – dem urchristlichen Erkennungssymbol.
- Taufstein & Altar: Die Presbyterbank flankiert den Weg zum Taufbecken von 1901. Der Sandsteinaltar wurde 1912 per Bahn und Pferdewagen transportiert und vom einheimischen Steinmetz Karl Altvater gestaltet.
Der spätgotische Chor & Die Stumm-Orgel
- Spätgotischer Chor: Der älteste Teil der Kirche besticht durch ein eindrucksvolles Kreuzgewölbe, das in einer Ecke auf einer menschlichen Maske anstelle einer klassischen Konsole ruht. Die farbenprächtigen Chorfenster von 1912 illustrieren biblische Verszeilen des Neuen Testaments in gotisierendem Rahmen.
- Stumm-Orgel (1912): Auf der Westempore erhebt sich das zweimanualige Instrument mit Pedal und 9 Registern aus der traditionsreichen Orgelbauwerkstatt Stumm. Es wurde 1992 unter tatkräftiger Mithilfe der Gemeinde umfassend renoviert.