Die evangelische Kirche in Desloch liegt leicht verborgen, umgeben von zwei alten Lindenbäumen auf dem historischen Kirchhof. Schon in vorreformatorischer Zeit stand hier eine Kapelle der Meisenheimer Johanniter – woran bis heute der Straßenname „Im Kloster“ in unmittelbarer Nachbarschaft erinnert.
Baugeschichte & Architektur
- Der Vorgängerbau: Ein Abrissplan aus dem Jahr 1747 dokumentiert eine alte zweischiffige Kirche mit quadratischem Turm, die vor dem heutigen Bau an dieser Stelle stand.
- Neubau (1751): Die heutige Kirche wurde durch tatkräftige Hand- und Spanndienste der reformierten Gemeindeglieder errichtet. Finanziert aus dem Meisenheimer Kirchenschaffneifonds, diente sie bis zur Union 1834 beiden evangelischen Konfessionen als Simultankirche.
- Der Turm: Der nach Süden ausgerichtete, massige Turm wurde 1857 erhöht. Sein Untergeschoss geht vermutlich auf einen mittelalterlichen Wehrturm zurück.
- Umgestaltung (1959): Bei einer umfassenden Innenrenovierung wurden die alte Ostempore, der geschnitzte Pfarrstuhl sowie die historische Kanzel entfernt. Das Innere erhielt eine schlichte, moderne Holzausstattung mit Altartisch, Kanzel und Taufschalenständer sowie einem Orgelpositiv der Firma Oberlinger.
Kunstwerke von Vilmo Gibello: Ein biblischer Zyklus
Den beeindruckenden künstlerischen Mittelpunkt des Sakralraums bildet ein einzigartiges Kunstprojekt aus den Jahren 1980/81. Angeregt durch Pfarrer Manfred Herzhoff gestaltete der italienisch-britische Maler Vilmo Gibello (1916–2013) den Innenraum der Kirche völlig neu:
- Der Bilderzyklus: In England schuf Gibello zahlreiche Ölgemälde auf Holztafeln, die Szenen von der Schöpfung bis zur Offenbarung des Johannes darstellen.
- Die Glasfenster: Vor Ort im benachbarten alten Schulhaus entwarf und fertigte der Künstler drei farbenprächtige Glasfenster, die je nach Sonneneinstrahlung das Kirchenschiff in ein besonderes Licht tauchen.
- Gemeinschaftsprojekt: Während seiner Arbeit in Desloch wurde der Künstler von den Dorfbewohnern herzlich aufgenommen und verpflegt. Am 17. Mai 1981 wurde das Gesamtkunstwerk im Rahmen eines Festgottesdienstes feierlich eingeweiht.