Seit mehr als einem halben Jahrhundert prägen die sieben von Helmut Ammann (1907–2001) geschaffenen Chorfenster die Atmosphäre im Altarraum der Schlosskirche Meisenheim. Die 12 Meter hohen Glaskunstwerke spannen einen beeindruckenden Bogen durch die gesamte biblische Heilgeschichte – von der Schöpfung bis zur Offenbarung.
Entstehung & Baukunst
Der Münchner Bildhauer, Zeichner und Glasmaler Helmut Ammann setzte sich 1965 in einem Wettbewerb durch. Seine Aufgabe war so anspruchsvoll wie faszinierend: Er sollte die biblische Botschaft in einer zeitgemäßen künstlerischen Sprache ausdrücken und das Werk zugleich harmonisch in die spätgotische Architektur der Kirche einfügen.
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Planungsphase (1966): Nach intensiven Abstimmungen mit Superintendent Dr. Carl Peter Adams und der Denkmalpflege erhielt Ammann im Februar 1966 die Zusage und setzte seine Entwürfe im Maßstab 1:1 um.
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Freie Arbeit am Glas: In der renommieren Mayerschen Hofkunstanstalt in München begann Ammann mit der Umsetzung in Glas. Dabei entwickelte er den Entwurf dynamisch weiter: „In der Glaswerkstatt wurde ich am Glasfenster immer rücksichtsloser, so dass jetzt kaum noch eine Einteilung dem Karton entspricht“, notierte er 1967.
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Einbau (1968): Im Frühjahr 1968 wurden die sieben farbenprächtigen Fenster schließlich im Chor montiert.
Der heilsgeschichtliche Bogen (von links nach rechts)
Wenn Sie den Chorraum betreten, entfalten die Fenster von links nach rechts eine fortlaufende Erzählung:
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Schöpfung & Sündenfall: Vom Anfang der Welt bis zur Vertreibung aus dem Paradies.
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Turmbau & Auszug: Der Turmbau zu Babel (oben) sowie Mose, der Wasser aus dem Felsen schlägt (unten).
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Johannes der Täufer: Er weist auf Christus als das Lamm Gottes hin.
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Das Zentrum: Die eindrucksvolle Darstellung des Gekreuzigten am Passionskreuz.
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Das Ostergeheimnis: Das leere Grab und die Frauen am Ostermorgen (unten).
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Pfingsten: Die Ausgießung des Heiligen Geistes in roten Flammenzungen (oben), welche die Sprachverwirrung von Babel aufhebt und die Gemeinde an den Tisch des Herrn einlädt (unten).
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Die Vollendung: Endzeitliche Szenen aus der Offenbarung – der Sieg über das Böse und das himmlische Jerusalem.
Die Sprache der Farben
Ohne die traditionelle christliche Farbsymbolik wirken die Fenster oft einfach nur „bunt“. Helmut Ammann wählte jede Nuance mit klarer theologischer Absicht:
| Farbe | Symbolik | Besonderes Vorkommen |
| Gold | Allmacht Gottes, Ewigkeit und unvergängliches Licht. | Besonders im himmlischen Jerusalem (7. Fenster). |
| Weiß | Gottliches Licht, Wahrheit, Reinheit und Auferstehung. | Die Gewänder Jesu und der Engel (Osterfenster). |
| Blau | Himmel, Glaube, Wahrheit und Treue. | Durchgängig vorhanden; als Mantel der Maria (Frauen am Grab). |
| Rot | Blut, Liebe, Hingabe, Macht und Heiliger Geist. | Beim Gekreuzigten, im Auge Gottes und den Pfingstflammen. |
| Violett | Passion, Buße, Leiden und göttliche Liebe. | Am Kreuzigungsfenster, beim Lamm Gottes und am leeren Grab. |
| Grün | Hoffnung, Natur,irdisches Wachstum und Leben. | Das grüne Kreuz Christi sowie der Altar des Lammes Gottes. |
Das Spiel des Lichts im Tageslauf
Ein Besuch lohnt sich zu jeder Tageszeit, denn mit dem Wandern der Sonne verändern sich Transparenz und Leuchtkraft der Gläser:
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Morgens: Wenn die Sonne aufgeht, erstrahlen das Lamm Gottes und das Kreuzigungsfenster in hellem Glanz.
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Gegen 10 Uhr: Während des Gottesdienstes fällt das Licht direkt durch das Osterfenster.
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Zur Abendmahlsfeier: Das Sonnenlicht durchflutet das Pfingstfenster und hüllt die um den Altar versammelte Gemeinde in ein warmes, geistliches Licht.
Die Glaskunstfenster wurden von Erich Kasberger hergestellt.