Die evangelische Kirche in Hundsbach blickt auf eine eindrucksvolle Geschichte zurück. Der Ort selbst ist eine alte, ehemals karolingische Siedlung an einer historischen Römerstraße, die vom Rheintal nach Metz führte. Um das Jahr 1000 ließ der Mainzer Erzbischof Willigis hier die erste Kirche für den Gerichtsbezirk „Auf der Heide“ errichten.
Historie & Konfessionsgeschichte
- Klösterliche Wurzeln: Die erste Kirche wurde dem Kloster Disibodenberg geschenkt. Nach dessen Aufhebung 1559 übernahm der Herzog von Pfalz-Zweibrücken die Kirchenhoheit.
- Konfessioneller Streit: Durch die Lehensherrschaft der Freiherren Boos von Waldeck und den Wechsel von Pfalz-Zweibrücken zum Calvinismus entstanden lutherische und reformierte Gemeinden nebeneinander. Erst 1744 wurde die Nutzung der Kirche vertraglich geregelt, ehe die Pfälzische Kirchenunion (1836) den Streit endgültig beilegte.
- Neubau (1867): Regierungsbaumeister Heinrich Krausch (1810–1873) errichtete anstelle des Baufälligen Altbaus die heutige Kirche.
- Kriegsschäden & Wiederaufbau: Nach schweren Bombenschäden im Jahr 1945 wurde das Gotteshaus nach dem Zweiten Weltkrieg auch mithilfe der Kirchenschaffnei Meisenheim (22.000 DM Unterstützung) wiederaufgebaut.
Architektur & Innenausstattung
Die Kirche präsentiert sich als schlichter, harmonischer Saalbau aus regionalem Bruchstein:
- Altarraum & Ausstattung: Bei der Renovierung 1956 wurden Altar, Kanzel und Taufstein aus rotem Sandstein gefertigt. Sie fügen sich stimmig zu den in warmen Brauntönen gehaltenen Bänken und der Empore ein.
- Lichtdurchfluteter Raum: Insgesamt 13 bleiverglaste, leicht bunt getönte Rundbogenfenster – drei im Chor und je fünf an den Längsseiten – erhellen das Kirchenschiff.
- Stumm-Orgel (1867): Auf der Empore über dem Eingang steht das einmanualige Instrument mit 13 Registern aus der berühmten Werkstatt der Gebrüder Stumm (Rhaunen-Sulzbach), das 1956 von der Firma Oberlinger renoviert wurde.
Der Dreigeschossige Turm & einzigartige Glocken
Der hohe Kirchturm beherbergt im Inneren ein Geläut mit besonderer Geschichte:
- Turmgeläut: Die heutigen Glocken in den unteren Turmgeschossen stammen aus den Jahren 1929 und 1962, nachdem frühere Glocken in den Weltkriegen abgegeben werden mussten.
- Die historische Disibodenberger Glocke (14. Jhd.): Eine seltene, kleine Glocke mit dem Meisterzeichen des Magisters Sifride steht heute geschützt neben dem Altar.
- Der Hundsbacher „Glockenkrieg“: Im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1695 von Franzosen entwendet, tauchte die Disibodenberger Glocke nach dem Krieg auf der Hundsbacher Gemarkung wieder auf. Nachdem die Nachbargemeinde Kirschroth sie kurzzeitig für sich beansprucht hatte, kehrte das historische Stück nach einem langwierigen Rechtsstreit wieder nach Hundsbach zurück.