Die ev. Kirche zu Löllbach

  • Gerhard Fritz

Der Kirchbau vereint jahrhundertealte Baukunst, bedeutende Kunstschätze und eine faszinierende Geschichte. Auf ein solides Felsfundament gebaut, hat das Gotteshaus die Stürme der Zeit – vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Zweiten Weltkrieg – überdauert.

Baugeschichte & Architektur

Die Wurzeln der Kirche reichen weit ins Mittelalter zurück. Funde wie ein Würfelkapitell und eine Säulenbasis lassen sogar auf einen noch älteren Vorgängerbau schließen.

  • Romanische Ursprünge (um 1200): Die untersten Geschosse des Kirchturms und der Chorbogen gehören zu den ältesten Bauteilen. Die achtkantige Säule datiert ebenfalls aus dieser Zeit.
  • Gotischer Ausbau (um 1500): Der Turm wurde aufgestockt und erhielt ein Turmkreuz. Zeitgleich entstanden der gotische Chor und das ursprüngliche Kirchenschiff. Ein Abendmahlskelch mit der Jahreszahl 1505 deutet auf die damalige Chorweihe hin.
  • Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg: Nach der Zerstörung im Krieg wurde das Kirchenschiff um 1663 größer und höher neu errichtet.
  • Neugestaltung 1859: Mit dem Einbau einer neuen Stumm-Orgel wurde der Haupteingang in den Westgiebel verlegt und die Westempore erweitert.
  • Sanierungen im 20. Jahrhundert: 1932 wurde der Westgiebel neu aufgemauert. Bei der großen Renovierung 1968 entdeckte man ein um 1600 gemaltes Kapitell und erneuerte das Gestühl.

Kunstschätze & Ausstattung

  • Malereien von Johann Georg Engisch: Der Kirner Maler schuf eindrucksvolle Bilder im Kirchenraum, die sich zum Teil an den berühmten Stichen von Matthäus Merian orientieren.
  • Chorfenster von Helmut Uhrig (1968): Die modern gestalteten Buntglasfenster zeigen biblische Motive:
    • Linkes Fenster: Gleichnis vom großen Abendmahl
    • Mittleres Fenster: Ostern, Himmelfahrt und die Anbetung im Reich der Vollendeten
    • Rechtes Fenster: Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen
    • Sakristeifenster: Die Kreuzigung als Bild der Stille und Einkehr

Das Geläut: Drei Glocken mit Geschichte

Das dreistimmige Ensemble im Turm erzählt eigene Geschichten von Hingabe und Zuflucht:

Glocke Gussjahr & Gießer Inschrift / Besonderheit
Kleine Glocke 1864, Th. Lehmann (Neuwied) „Von der Wiege bis zum Grab mahn ich Gott zu dienen Erdenbürger laß nicht ab bis dein Tag erschienen.“
Mittlere Glocke 1685, Sigmund Götz (Breslau) „Gott zu Lob und Ehre und dem heiligen Reich Jesu Christi!“ (Patenglocke aus Grünberg/Schlesien)
Große Glocke 1687, David Jonas (Elbing) „David Jonas in Elbing hat mich gegossen durch das Feuer bin ich geflossen Anno 1687 – Gott allein die Ehr“ (Patenglocke aus Liebemühl/Ostpreußen)