Die Stummorgel

Ein Meisterwerk der Hunsrücker Orgelbaukunst

Die Orgelbauerfamilie Stumm aus dem Hunsrück prägte über sieben Generationen hinweg die Musiklandschaft in Südwestdeutschland. Das Instrument in Meisenheim repräsentiert die Hochblüte der zweiten Stumm-Generation unter den Brüdern Johann Philipp und Johann Heinrich Stumm.

  • Erbauung: Nach ersten Verträgen im Jahr 1752 wurde das Instrument 1767 vollendet und zu Weihnachten/Neujahr 1767/68 feierlich in Dienst gestellt.

  • Gehäuse: Das reich verzierte Spätbarock- und Rokoko-Gehäuse aus massiver Eiche schuf der Meisenheimer Kunstschreiner Philipp Daniel Schmidt.

  • Besonderheit: Mit ihren 29 zum Teil geteilten Registern auf zwei Manualen und Pedal gehört sie zu den opulentesten zweimanualigen Barockorgeln Deutschlands.

Klangliches Wunder: Dass die originalen Prospektpfeifen aus „Franckfurther Prob Zinn“ sowie die überaus klangprächtigen Zungenregister beide Weltkriege unbeschadet überstanden haben, ist eine seltene orgelgeschichtliche Glücksfügung.

Aufwendige Restaurierung und heutige Nutzung

Nach verschiedenen Umgestaltungen im 19. und 20. Jahrhundert wurde das Instrument von September 1993 bis Mai 1994 durch die renommierte Orgelbauwerkstatt Förster & Nicolaus (Lich) streng nach Denkmalgesichtspunkten restauriert.

  • Historische Treue: Die Windversorgung mit vier Keilbälgen sowie der ursprüngliche Trakturverlauf wurden nach historischen Stumm-Vorbildern präzise rekonstruiert.

  • Praktische Innovation: Neben dem historischen Pedalumfang erhielt die Orgel ein leicht auswechselbares, erweitertes Pedalsystem. Dies ermöglicht nicht nur das Spiel eines breiteren Repertoires im Gottesdienst, sondern macht das Instrument auch zu einer idealen Unterrichts- und Übeorgel.

Ein klingendes Denkmal ersten Ranges

Heute präsentiert sich die Meisenheimer Stumm-Orgel – zusammen mit ihrem Schwesterinstrument in der Mainzer Augustinerkirche – als weitgehend original erhaltenes, klanggewaltiges Dokument der spätbarocken Orgelbaukunst. Sie begeistert Gottesdienstbesucher wie Organisten aus aller Welt gleichermaßen.

Quellenhinweis: Frei bearbeitet nach einem Fachartikel von Wolfram Adolph (Mainz/Saarbrücken), zuerst erschienen in: „organ – Journal für die Orgel“ 4/2009, © Schott Music, Mainz.

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