Die evangelischen Christen aus Raumbach gehören seit jeher zur Evangelischen Kirchengemeinde Meisenheim. Die Geschichte ihrer Andachtsstätten ist geprägt von historischem Wandel, gelebter Ökumene und einer engen Verbundenheit der Konfessionen.
Die alte evangelische Kapelle in Oberraumbach
Nach der Reformation errichteten die evangelischen Gläubigen in Raumbach eine eigene kleine Kapelle, die 1553 erstmals urkundlich erwähnt wurde.
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Konfessionelle Streitigkeiten: Eine Verfügung von Herzog Gustav Samuel erlaubte ab 1719 auch der katholischen Gemeinde, das Gebäude für Taufen, Trauungen und Beerdigungen zu nutzen. Daraus entwickelte sich ein langwieriger Streit.
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Verfall und Abbruch: Um weiteren Konflikten zu entgehen, blieb die Kapelle fast ein Jahrhundert lang ungenutzt. Sie verfiel zusehends und musste 1898 wegen Baufälligkeit abgerissen werden.
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In den folgenden Jahrzehnten besuchten die Gläubigen beider Konfessionen die Gottesdienste im benachbarten Meisenheim.
Die neue katholische Hildegardkapelle (seit 1962)
Dem Wunsch der katholischen Gemeinde nach einem eigenen Gotteshaus folgte 1960 der Erwerb eines Grundstücks nahe dem Friedhof.
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Bau & Weihe: Nach der Grundsteinlegung am 14. Mai 1961 segnete Domkapitular Jakob Schmitz aus Trier die Kapelle am 2. September 1962 feierlich ein.
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Patronat: Namenspatronin ist die Heilige Hildegard von Bingen, zweiter Patron ist Papst Pius X.
Künstlerische Ausstattung
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Altarraum: Das prägende Wandgemälde hinter dem Altar zeigt Christus als Weltenrichter, umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten. Rechts davon befindet sich ein Wandbild der Heiligen Hildegard.
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Madonna: Auf der linken Seite steht eine kostbare Madonnenstatue aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts – ein historisches Geschenk von Pfarrer Mertens an die Pfarrgemeinde.
Historisches Geläut
Die beiden Glocken der Kapelle besitzen eine bemerkenswerte Geschichte:
| Glocke | Gussjahr & Gießer | Historischer Weg |
| Glocke 1 | 1592, Christian Klapperbacher (Mainz) | Stiftungsglocke von Herzog Johann I. für die Meisenheimer Schlosskirche. Ab 1688 im Dachreiter der katholischen Kirche Meisenheim, seit 1963 in Raumbach. |
| Glocke 2 | 1736, Johann Speck (250 kg) | Hing ebenfalls ursprünglich im Dachreiter der katholischen Kirche Meisenheim und zog 1963 nach Raumbach um. |
Evangelisches Gemeindeleben & Gelebte Ökumene
Ab 1961 stand der evangelischen Gemeinde in Raumbach ein eigener Kirchsaal für Gottesdienste, Taufen und Abendmahlsfeiern zur Verfügung.
Aus strukturellen Gründen beschloss das Presbyterium am 15. Mai 2008 die Außerdienststellung des Saales; der Entwidmungsgottesdienst fand am 15. Februar 2009 statt.
Seitdem feiert die evangelische Gemeinde ihre Gottesdienste mehrmals im Jahr gastfreundlich in der Hildegardkapelle. Für dieses Zeichen geschwisterlicher Verbundenheit gilt der katholischen Nachbargemeinde ein herzlicher Dank.
Autorin: Renate Gilcher