Die ev. Kirche zu Schweinschied

  • Gerhard Fritz

Die evangelische Kirche in Schweinschied ist ein eindrucksvolles Zeugnis regionaler Geschichte und gelebten Glaubens. Bereits im Jahr 1515 wurde in einem „Sendweistum“ eine Kapelle des Heiligen Bartholomäus an diesem Ort erwähnt. An der Stelle dieses historischen Vorgängerbaus entstand im 19. Jahrhundert das heutige Gotteshaus.

 

Baugeschichte & Architektur

Die Entwicklung des heutigen Kirchenbaus verlief in mehreren prägenden Phasen:

  • Neubau des Kirchenschiffs (1825): An der Stelle der alten Kapelle wurde das neue Kirchenschiff errichtet.
  • Erweiterung für die Musik (1834): Um der neu angeschafften Orgel ausreichend Platz im Chorraum zu bieten, wurde das Kirchenschiff um 3,50 Meter verlängert.
  • Der Kirchturm (1864): Die Zivilgemeinde ließ einen 33 Meter hohen Turm anbauen (Kosten: 5.205 Gulden und 61 Kreuzer). Bekrönt wird er von einem 9 Fuß hohen Eisenkreuz aus der Rheinböller Hütte sowie einem vergoldeten Turmhahn. 1992 wurde der Hahn aufwendig restauriert und neu vergoldet.

 

Die Orgeln der Schweinschieder Kirche

Die Orgelgeschichte des Hauses weist eine Besonderheit auf:

  • Die Stumm-Orgel (1833/34): Das von den renommierten Gebrüdern Stumm (Rhaunen-Sulzbach) erbaute Instrument prägte die Kirche über ein Jahrhundert lang. Bei den Umbauarbeiten 1963 wurde sie abmontiert; heute befindet sich dieses historische Instrument in der Kirche in Baumholder.
  • Die Eule-Orgel (1964): Nach der Kirchenrenovierung wurde ein neues, kompakteres Instrument der Firma Eule aus Bautzen auf der Empore an der Turmseite installiert.

 

Großrenovierungen im 20. Jahrhundert

Im Jahr 1963/64 erfuhr der Innenraum eine grundlegende Umgestaltung:

  • Das alte Holzwesen und die hintere Empore wurden entfernt.
  • Schreinermeister Cörper aus Meisenheim fertigte 25 neue, helle Bänke an.
  • Wände und Decken wurden neu verputzt und in schlichtem Weiß gehalten, ergänzt durch einen neuen hellen Plattenbelag und den Einbau einer modernen Heizung.

Ein besonderer künstlerischer Akzent setzte sich in jüngerer Zeit durch eine Spende der Familie Klein: Die drei Chorfenster wurden von der Kunstglaserei Binsfeld in Trier neu gestaltet. Sie zeigen in farbenprächtigen Motiven die Geburt, die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu Christi.

 

Das Geläut & die Turmuhr

Die Geschichte der Schweinschieder Glocken war lange Zeit von den Verlusten der beiden Weltkriege geprägt:

  • Historisches Geläut: Nachdem 1918 und 1942 jeweils Glocken für Kriegszwecke abgegeben werden mussten, erhielt die Kirche am 2. Advent (10. Dezember) 1950 ihr heutiges dreistimmiges Stahlgeläut (Bochumer Verein): die Totenglocke, die Betglocke und die Taufglocke.
  • Turmuhr & Steuerung: Die erste Uhr von 1864 wurde 1952/1964 durch eine moderne elektrische Turmuhr ersetzt. Heute werden die Glocken komfortabel per Funk gesteuert.